Fachhochschule Koblenz
Fachbereich Sozialwesen, Projekt Internationale Jugendarbeit
Seit mehr als 15 Jahren ist das Projekt Internationale Jugendarbeit der Fachhochschule Koblenz eine Vertiefungsrichtung im Rahmen der Ausbildung von Sozialarbeiter(inne)n und Sozialpädagog(inn)en. Die Projektgruppe unter der Leitung von Prof. Dr. Günter J. Friesenhahn erarbeitet interkulturelle Begegnungs- und Seminarkonzeptionen, erstellt Materialien und ist in Zusammenarbeit mit öffentlichen und freien Trägern bei der Planung, Durchführung und Auswertung von einschlägigen Veranstaltungen beteiligt. Dabei werden die Studierenden an allen Phasen des Projektes - Antragstellung, Budgetierung, konkrete Programmplanung, Durchführung der Maßnahme, Abrechnung und Dokumentation, Perspektiventwicklung und "Nachpflege" - beteiligt und sie können tragfähige Kontakte zur Praxis knüpfen, was ihnen bei der Jobsuche und -findung in der Vergangenheit das eine oder andere Mal durchaus nützlich war. Darüber hinaus ist in den letzten Jahren aus diesem Kontext eine Reihe von Publikationen entstanden, die das Diskursfeld aus wissenschaftlicher Perspektive analysiert und weiterentwickelt haben.
Das Arbeitsfeld Internationale Jugendarbeit ist ein Teilgebiet der Jugendhilfe und ein Lern- und Praxisfeld, das sich in den letzten Jahren als ein öffentlich und privatwirtschaftlich gefördertes Instrument zur Erfahrung und Entwicklung interkultureller Kompetenz etabliert hat. Gefordert werden interkulturelle Kompetenzen, eine Orientierung an Qualitätsstandards und eine bessere konzeptionelle Absicherung des Arbeitsfeldes. Deutlich wird auch, dass internationale Jugendarbeit von politischer Seite zunehmend in Anspruch genommen wird, um ein interkulturelles Zusammenleben in der BRD zu gewährleisten.
Für die internationale Jugendarbeit gelten die allgemeinen Ziele der Jugendarbeit. Die Angebote "sollen an den Interessen junger Menschen anknüpfen und von ihnen mitbestimmt und mitgestaltet werden, sie zur Selbstbestimmung befähigen und zu gesellschaftlicher Mitverantwortung und zu sozialem Engagement anregen und hinführen". Nach §11 des Kinder- und Jugendhilfegesetzes hat die Jugendhilfe darauf hinzuwirken, dass den jungen Menschen die zu ihrer Entwicklung erforderlichen Angebote der Jugendarbeit zur Verfügung gestellt werden. Die Anbindung an die Jugendarbeit hat auch weit reichende konzeptionelle Folgen.
Internationale Jugendarbeit meint nicht nur pädagogische Bildungsarbeit im engeren Sinne, sondern findet auch dort statt, wo Menschen unterschiedlicher Nationalität, kultureller Identität oder nationaler Zugehörigkeit sich begegnen und sich gemeinsam für die Verbesserung der Lebenssituationen engagieren (so z. B. im Rahmen von Entwicklungshilfeprojekten und ähnlichen Formen der internationalen Zusammenarbeit). Neben der individuellen und politisch-gesellschaftlichen Dimension dieser Arbeit qualifizieren ihre Angebote gelegentlich auch durch die Vermittlung von entsprechenden Schlüsselqualifikationen (Sprachkompetenz, interkulturelle Kompetenz, Toleranzfähigkeit, Weltoffenheit und Widerspruchtoleranz etc.) für den Arbeitsmarkt in komplexen, modernen und multiethnischen Gesellschaften. Internationale Arbeit darf nicht verkürzt werden auf kurzfristige internationale Begegnungen im Ausland, sondern ist konzipiert als Lernfeld, das nachhaltige Erfahrungen auf der persönlichen und gruppenbezogenen Ebene sowie den Aufbau interkultureller Kompetenzen ermöglicht. Diese Kommunikationsstrukturen von Organisationseinheiten und Personen aus verschiedenen Staaten ist für die nationale, europäische und globale Zivilgesellschaft unumgänglich. Zudem gibt es gute Gründe, davon auszugehen, dass dies auch positive Auswirkungen hat auf die Ausgestaltung der multikulturellen Gesellschaft in Deutschland und Europa. Internationale Jugendarbeit besitzt außerdem eine sozialpolitische Dimension, da mit diesem Instrument Jugendliche und junge Erwachsene unabhängig von ihren finanziellen Ressourcen und familiären Unterstützungssystemen die Chance erhalten, öffentlich geförderte Lern- und Bildungsprozesse des Internationalen zu erleben. Dies wird angesichts einer kritisch zu beurteilenden Instrumentalisierung der internationalen Kompetenz als Markierungsmerkmal einer neuen Bildungselite immer wichtiger.
| Kontakt:
Prof. Dr. Günter Friesenhahn friesenhahn@fh-koblenz.de |
