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Wozu Forscher-Praktiker-Dialog in der internationalen Jugendarbeit?

Alexander Thomas

Die Frage „Wozu Forscher-Praktiker-Dialog“ ist berechtigt, denn die internationale Jugendarbeit ist keine wissenschaftliche, sondern eine gesellschaftliche, pädagogische und organisatorisch-strukturelle Aufgabe. Internationale Jugendarbeit ist eine Zukunftsaufgabe, denn was jetzt initiiert wird, zahlt sich in absehbarer Zeit aus - und was jetzt versäumt wird, rächt sich in naher Zukunft und ist nicht mehr nachzuholen.

Internationale Jugendbegegnungen im Rahmen der internationalen Jugendarbeit sind keine unbedeutende Nebensächlichkeit noch Luxus, auf den man verzichten könnte. Jugendlichen Handlungs- und Erlebnisräume zu bieten, in denen sie erste und nachhaltige Erfahrungen im Umgang mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen machen können, ist im Zeichen der Globalisierung und der gesellschaftlichen Stellung Deutschlands in Europa und in der Welt ein Gebot der Stunde. Dabei reichen bloße internationale Kontakterfahrungen alleine nicht aus. Erforderlich ist eine professionelle Vorbereitung, Begleitung und Nachbereitung solcher Maßnahmen.

Pädagogische und organisatorische Professionalität ist aber nur zu garantieren, wenn auf aufgaben- und anforderungsrelevante wissenschaftliche Erkenntnisse zurückgegriffen werden kann. Zwischen praktischem und wissenschaftlichem Handeln besteht eine markante Diskrepanz: Die Aufgabe der Praxis besteht darin, etwas zu bewerkstelligen, zu organisieren und zu regulieren, etwas möglich zu machen und das mit einem hohen Grad an Effizienz. Wissenschaft ist demgegenüber der Erkenntnisgewinnung, der Suche nach der Wahrheit, dem Erkunden dessen „was die Welt im innersten zusammenhält“ verpflichtet. Dazu entwickelt und prüft sie passende Theorien, Konzepte und Methoden.

Wer als Praktiker von den Erkenntnissen der Wissenschaft profitieren will, benötigt dazu nicht nur wissenschaftliche Lehrbücher, sondern eine Dialogplattform mit Transferqualität. Der seit 1988 bestehende Forscher-Praktiker-Dialog ist eine solche Plattform, auf der Wissenschaftler mit Expertisen zur internationalen Jugendarbeit und Praktiker mit Expertisen aus der Alltagsrealität der internationalen Jugendarbeit miteinander diskutieren. Es geht darum, wie die internationale Jugendarbeit in all ihren Facetten qualifiziert werden kann, was dazu an vorherrschenden wissenschaftlichen Erkenntnissen genutzt werden kann, was aus den vielfältigen Praxiserfahrungen zu gewinnen ist und was noch der systematisch-methodischen und theoretisch fundierten Erkundung bedarf.

Beide, Forschung und Praxis, bringen ihre spezifischen Erkenntnisse und Kompetenzen in den Dialog ein, woraus synergieträchtige Formen der Kooperation zu gewinnen sind: Forschungsresultate inspirieren die Praxis und Anforderungen der Praxis inspirieren die Forschung zu neuen Erkundungsgängen. Was können wissenschaftliche Erkenntnisse bieten?

  1. Wissenschaftliche Theorien und Konzepte zur Entwicklung von Jugendlichen, zu entwicklungsspezifischen Anforderungen, zu biografisch bedingten Verhaltensausprägungen, zum interkulturellen Lernen und zur Entwicklung interkultureller Kompetenz.
  2. Wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse über optimale Lern- und Erfahrungsbedingungen, über geeignete Didaktiken und über Verfahren der Evaluation.
  3. Methoden zur Evaluation, Erfahrungsmessung, Erhebung und Auswertung von Beobachtungs- und Befragungsdaten.
  4. Disziplinspezifische Expertise weltweit aus den Bereichen Psychologie, Pädagogik, Soziologie, Politologie, Philosophie.

Diese Forscher-Praktiker-Dialogplattform mit wechselseitiger Transferqualität hat sich bereits in folgenden Themenfeldern bewährt:

  1. Kulturstandardkonzept in der internationalen Jugendarbeit
  2. Langzeitwirkung der Teilnahme an internationalen Jugendbegegnungen auf die Persönlichkeitsentwicklung
  3. Evaluation internationaler Jugendarbeit
  4. Qualitätssicherung internationaler Jugendarbeit
  5. Förder-Assessment- Center für Fachkräfte in der internationalen Jugendarbeit
  6. Spezifikation von Defizitbereichen in der internationalen Jugendarbeit
  7. Interkulturelles Lernen online
  8. Medienkompetenz im Langzeitschüleraustausch
  9. Differenzlinienkonzept in der Internationalen Jugendarbeit.

Kontakt
Koordination des Forscher-Praktiker-Dialogs:
Dr. Werner Müller, transfer e. V., werner.mueller@transfer-ev.de